Vom Handelsvertreter zum Unternehmer: Patrick Horn macht Zukunft #233
Patrick Horn entwickelt seine Handelsvertretung weiter: mit Weiterbildung, digitaler Sichtbarkeit und eigenen Projekten. Im Gespräch mit André Keeve erzählt er, wie aus seiner Vision für 2030 konkrete Schritte wurden und warum er seine Zukunft aktiv gestalten möchte.
Vom Handelsvertreter zum Unternehmer: Patrick Horn macht Zukunft #233
Was passiert mit deiner Handelsvertretung, wenn langjährige Kunden schließen, sich Kaufgewohnheiten verändern und bewährte Sortimente weniger gefragt sind? Patrick Horn hat sich diese Fragen gestellt und daraus konkrete Schritte für seine berufliche Zukunft abgeleitet.
In Podcastfolge #233 spricht er mit André Keeve über seinen Weg vom Handelsvertreter zum Unternehmer mit zusätzlichen Tätigkeitsfeldern. Nach rund 19 Jahren im Vertrieb von Wohnaccessoires und Geschenkartikeln erweitert er seine Kompetenzen, arbeitet an seiner digitalen Sichtbarkeit und entwickelt Angebote für Händler und Handelsvertreter.
Seine Geschichte zeigt, wie aus einer persönlichen Zukunftsfrage mehrere Projekte entstehen können: Weiterbildung in Coaching und KI, erste Aufträge rund um LinkedIn, ein Lehrgangsprojekt mit IHK-Zertifikat und ein eigener Podcast für den inhabergeführten Einzelhandel.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Podcastfolge
- Eine langfristige Perspektive verändert Entscheidungen: Die Beschäftigung mit seiner Vision für 2030 half Patrick, über die nächste Vertriebstagung hinauszudenken und seine Weiterentwicklung gezielt anzugehen.
- Erfahrung braucht eine Grundlage für Beratung: Seine Kenntnisse aus dem Einzelhandel ergänzt er durch Weiterbildungen in digitalem Vertrieb, Business-Coaching und KI.
- Digitale Sichtbarkeit kann neue Anfragen auslösen: Patrick berichtet von Vertretungsanfragen aus dem Ausland und einem ersten Auftrag zur Unterstützung bei LinkedIn.
- Der Vertriebsalltag liefert Themen für Inhalte: Aus Fragen und Beobachtungen in Kundengesprächen entwickelt er Beiträge, die er mit einem eigenen KI-Agenten vorbereitet.
- Unternehmerische Kompetenz soll erkennbar werden: Sein Lehrgangsprojekt soll Grundlagen vermitteln und erfahrenen Handelsvertretern ermöglichen, ihr Wissen zu vertiefen und sichtbar zu machen.
- Ein Netzwerk hilft bei der Umsetzung: Austausch, Rückfragen und Erfahrungen anderer begleiten Patrick bei seinen neuen Vorhaben.
Warum Patrick Horn seine Handelsvertretung weiterentwickelt
Patrick Horn kam über das frühere Geschenkartikelgeschäft seiner Frau in die Handelsvertretung. Zuvor war er im Automobilverkauf tätig. Sein Vertriebsgebiet liegt vor allem im mittleren Teil Deutschlands, rund um Frankfurt. Zu seinen Kunden gehört überwiegend der inhabergeführte Einzelhandel.
Sein Sortiment hat sich über die Jahre verändert. Anfangs spielte der gedeckte Tisch eine große Rolle, später kamen unter anderem Postkarten und weitere Geschenkartikel hinzu. Diesen Wandel kannte Patrick bereits aus seinem Geschäft. Inzwischen beobachtet er jedoch Entwicklungen, die seine Kundenbasis grundsätzlicher betreffen.
Im Gespräch nennt er schwankende Innenstadtfrequenzen, den Wettbewerb durch das Internet und Einflüsse wie Baustellen vor einem Geschäft. Hinzu kommt in seinem Bereich, dass viele Produkte langlebig sind. Wer sein Zuhause bereits eingerichtet hat, braucht nicht kurzfristig wieder eine neue Vase oder Lampe.
Auch das Alter der Geschäftsinhaber spielt eine Rolle. Patrick berichtet von vier Schließungen aus Altersgründen innerhalb eines Jahres. Die Betriebe endeten, weil die Inhaber aufhören wollten und keine Nachfolge bereitstand. Für seine Handelsvertretung bedeutet das, dass auch gewachsene Geschäftsbeziehungen wegbrechen können.
Diese Beobachtungen waren für ihn ein Anlass, die eigene Zukunft aktiv zu planen. Er wollte zusätzliche Möglichkeiten entwickeln, die auf seiner Erfahrung aufbauen und ihm mehr Gestaltungsspielraum geben.
Vom Handelsvertreter zum Unternehmer: Was die Vision 2030 auslöste
Ein wichtiger Impuls entstand beim HVH Active Camp am Dümmersee. Dort beschäftigte sich Patrick mit der Frage, wie sein Leben und seine Arbeit im Jahr 2030 aussehen sollen. Bis dahin hatte er nach eigener Beschreibung häufig bis zum nächsten Jahr oder zur nächsten Vertriebstagung gedacht.
Der längere Zeithorizont veränderte seine Perspektive. Er begann, sich intensiver damit auseinanderzusetzen, wohin er sein Geschäft entwickeln möchte und welche Fähigkeiten er dafür braucht.
Gleichzeitig erlebte er den Austausch mit Handelsvertretern aus anderen Branchen als wertvoll. Die Teilnehmer brachten unterschiedliche Erfahrungen mit und konnten offen über ihre Herausforderungen sprechen. Für Patrick, der sein Unternehmen weitgehend allein führt, war dieser Austausch eine wichtige Ergänzung zum Arbeitsalltag.
Das Camp war dabei ein Ausgangspunkt. Die Veränderung entstand anschließend durch seine Entscheidungen, Zeit in Weiterbildung zu investieren, Projekte auszuarbeiten und neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren.
Welche Weiterbildungen ihm den Einstieg in die Beratung erleichtern
Patrick sah bei seinen Einzelhandelskunden Potenzial für zusätzliche Beratung. Ihm war aber bewusst, dass langjährige Branchenerfahrung allein noch nicht bedeutet, andere Menschen gut beraten und Wissen verständlich vermitteln zu können.
Er absolvierte eine Weiterbildung zum Digital Sales Manager und eine Ausbildung zum Business-Coach und psychologischen Berater. Für die Coaching-Ausbildung fuhr er über mehrere Monate an den Wochenenden nach München. Später folgte eine weitere Qualifizierung im Bereich KI.
Diese Schritte sollten ihm eine fundiertere Grundlage geben, um Händler bei ihren Fragen zu unterstützen. Die Erfahrung aus dem Vertrieb bringt er bereits mit. Die zusätzlichen Kenntnisse helfen ihm dabei, Gespräche anders zu führen und sich mit neuen Anforderungen auseinanderzusetzen.
Patrick spricht auch über die zeitliche Belastung. Weil mehrere Vorhaben parallel liefen und sein Tagesgeschäft weiterging, verschob er die zusätzliche KI-Weiterbildung zunächst. Seine Entwicklung zeigt damit auch, dass Prioritäten und eine zeitliche Staffelung dazugehören.
Wie LinkedIn neue Anfragen und einen ersten Auftrag brachte
Für seine digitale Sichtbarkeit beschäftigte sich Patrick intensiver mit Social Selling. In einer Weiterbildung mit Torben Fangmann arbeitete er daran, LinkedIn systematischer zu nutzen. Er baute sein Profil weiter aus und begann, regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen.
Seine Themen kommen aus dem eigenen Arbeitsumfeld: Einzelhandel, KI, Sichtbarkeit und Erlebnisse aus seinem Berufsalltag. Er beschreibt diese Arbeit als einen Marathon, bei dem Regelmäßigkeit zählt.
Im Podcast nennt Patrick zwei konkrete Entwicklungen. Zum einen erreichen ihn über LinkedIn Anfragen ausländischer Unternehmen, die Handelsvertreter oder Agenten in Deutschland suchen. Zum anderen fragte ihn ein Bekannter mit einer Druckerei, ob er ihn bei seiner Sichtbarkeit auf LinkedIn unterstützen könne. Daraus entstand ein erster Auftrag.
Damit wird sein Wissen auch für Tätigkeiten außerhalb des bisherigen Produktvertriebs interessant. Die Beiträge geben anderen einen Eindruck davon, mit welchen Themen er sich beschäftigt und wobei er helfen kann.
Wie Patrick mit KI Inhalte aus Kundengesprächen entwickelt
Für die Vorbereitung seiner LinkedIn-Beiträge hat Patrick einen eigenen KI-Agenten eingerichtet, den er Manolo nennt. Mit ihm bespricht er Themen im Sprachmodus von ChatGPT. Aus dem Gespräch entstehen Entwürfe, die er anschließend noch einmal liest und bei Bedarf korrigiert.
Die Ideen dafür muss er nicht weit suchen. Ein Beispiel aus der Folge ist ein Kundengespräch über Trendprodukte. Der Händler recherchiert auf Plattformen wie TikTok und Instagram nach gefragten Artikeln. Im Gespräch kommt aber auch die Frage auf, wann man wieder aus einem Trend aussteigen sollte.
Patrick nimmt genau diese Frage als Ausgangspunkt für einen Beitrag. Das Thema stammt aus einer tatsächlichen Herausforderung des Handels und passt zu den Menschen, die er erreichen möchte.
Ein weiteres Beispiel entsteht aus einer Unterhaltung über den Einstieg in die Selbstständigkeit als Handelsvertreter. Dabei geht es um Verträge, Versicherungen, technische Ausstattung und organisatorische Fragen. Auch daraus entwickelt er einen Inhalt.
Für andere Handelsvertreter liegt darin ein praktischer Ansatz: Achte darauf, welche Fragen in deinen Gesprächen wiederkehren. Dein Alltag liefert konkrete Themen, zu denen du Erfahrung und eine eigene Sichtweise beitragen kannst.
Was hinter dem Lehrgangsprojekt für Handelsvertreter steckt
Ein weiteres Vorhaben entstand aus Patricks Beschäftigung mit Qualität und Qualifizierung. Ihn bewegte die Frage, wie die Kompetenzen eines Handelsvertreters für Hersteller besser erkennbar werden können.
Handelsvertreter übernehmen unternehmerische Aufgaben: Sie kümmern sich um ihre wirtschaftliche Planung, Verträge, die eigene Organisation und ein passendes Portfolio. Patrick erlebt jedoch, dass Außenstehende dieses Berufsbild oft nur unvollständig kennen.
Aus diesen Überlegungen entwickelte er gemeinsam mit einem Partner ein Projekt mit zwei Lehrgängen. Der Grundlagenlehrgang richtet sich an Einsteiger und Quereinsteiger. Er soll auch Menschen unterstützen, die eine Handelsvertretung übernehmen möchten und dafür zunächst ein fachliches Fundament brauchen.
Für bereits erfahrene Handelsvertreter stellt Patrick im Gespräch einen weiteren Lehrgang in Zusammenarbeit mit der IHK Wiesbaden vor. Themen sind unter anderem KI, betriebswirtschaftliche Fragen, Psychologie, Positionierung und der Aufbau des eigenen Portfolios.
Das vorgestellte Konzept umfasst sechs Unterrichtstage, verteilt auf zwei Wochen. Unterschiedliche Dozenten aus der Praxis übernehmen die einzelnen Themen. Eine Abschlussarbeit und eine mündliche Prüfung gehören ebenfalls zum beschriebenen Ablauf.
Patricks Ziel ist, Wissen strukturiert zu vermitteln und die unternehmerische Kompetenz der Teilnehmer sichtbarer zu machen. Auch für Hersteller könnte dadurch nachvollziehbarer werden, mit welchen Fähigkeiten ein möglicher Partner aufgestellt ist.
Warum Patrick einen Podcast für den Einzelhandel vorbereitet
Mit „Handel wandelt Zukunft“ entwickelt Patrick außerdem einen eigenen Podcast für den inhabergeführten Einzelhandel. Die Idee entstand nach seinem ersten Podcastgespräch mit André und der anschließenden Beschäftigung mit dem Format.
In einer Podcast-Masterclass arbeitete er an der Umsetzung: Themen finden, Gäste einladen, Technik auswählen und entscheiden, wie Audio und Video eingesetzt werden sollen. Im Gespräch kündigt er den Start für den 4. November an und beschreibt eine monatliche Veröffentlichung als seinen Plan.
Inhaltlich möchte er Geschichten aus dem Handel erzählen. Ihn interessieren Menschen, die besondere Konzepte umsetzen oder auf ungewöhnlichen Wegen zu ihrem Geschäft gekommen sind. Als Beispiele nennt er unter anderem die Verbindung von Hotel, Weinverkauf und Shop sowie einen Laden in Palma, für den er eine Aufnahme vorbereitet.
Ein Interview kann dabei auch dem jeweiligen Händler Sichtbarkeit geben. Patrick sieht darin eine Möglichkeit, seine Kunden zusätzlich zu unterstützen und interessante Erfahrungen einem größeren Publikum zugänglich zu machen.
Bei der Umsetzung hilft ihm erneut sein Netzwerk. Er berichtet vom Austausch mit Öse, den er bei technischen oder praktischen Fragen um Rat bitten kann. Das neue Projekt entsteht so mit eigener Initiative und der Unterstützung erfahrener Kollegen.
Fazit: Zukunft gestalten heißt, konkrete Schritte zu gehen
Patricks Weg vom Handelsvertreter zum Unternehmer mit weiteren Tätigkeitsfeldern beginnt mit einem genauen Blick auf seine Branche. Aus der Frage nach seiner Zukunft entwickelt er Weiterbildungen, zusätzliche Beratungsansätze, digitale Sichtbarkeit und eigene Projekte.
Für andere Handelsvertreter bietet das Gespräch einen Anlass, die eigene Entwicklung zu prüfen: Welche Fähigkeiten bringst du bereits mit? Was fehlt für ein neues Angebot? Und welche Erfahrungen aus deinem Alltag könnten auch außerhalb des bisherigen Geschäfts wertvoll sein?
In Podcastfolge #233 „Vom Handelsvertreter zum Unternehmer: Patrick Horn macht Zukunft“ sprechen Patrick Horn und André Keeve über diese Entscheidungen, die Arbeit an neuen Vorhaben und die Bedeutung eines Netzwerks, das bei der Umsetzung unterstützt.




